Dermatillomanie: Trichotillomanie behandeln
Von Redaktion Psychotherapie verstehen ca. 3 Min.

Dermatillomanie und Trichotillomanie sind psychische Störungen, bei denen Betroffene einen starken, wiederkehrenden Drang verspüren, ihre Haut zu kratzen oder ihre Haare auszureißen. Diese Verhaltensweisen führen zu sichtbaren Verletzungen und erheblichem emotionalen Leidensdruck. Obwohl diese Störungen oft unbewusst oder automatisch ablaufen, können sie schwerwiegende psychische und physische Folgen haben. In diesem Ratgeber erfahren Sie mehr über die Hintergründe dieser Störungen und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Was sind Dermatillomanie und Trichotillomanie?
Dermatillomanie, auch als „Skin Picking Disorder" bekannt, ist eine Störung, bei der Menschen kompulsiv ihre Haut kratzen, reißen oder drücken. Dies geschieht oft an Stellen wie Gesicht, Armen, Beinen oder dem Rücken. Trichotillomanie hingegen ist das wiederholte Ausreißen von Haaren aus der Kopfhaut, den Augenbrauen, Wimpern oder anderen Körperstellen.
Beide Störungen gehören zur Gruppe der körperfokussierten repetitiven Verhaltensweisen (Body-Focused Repetitive Behaviors, BFRBs). Sie treten oft automatisch auf, können aber auch bewusst ausgelöst werden, beispielsweise als Reaktion auf Stress oder Angst. Die Betroffenen berichten häufig von einem intensiven Spannungsgefühl vor dem Verhalten und einer vorübergehenden Erleichterung danach.
Diese Störungen sind nicht einfach eine schlechte Angewohnheit, sondern echte psychische Erkrankungen, die erhebliches Leiden verursachen können. Viele Patienten schämen sich für ihre Symptome und versuchen, die Verletzungen zu verbergen.
Ursachen und psychische Zusammenhänge
Die genauen Ursachen von Dermatillomanie und Trichotillomanie sind nicht vollständig erforscht, aber es gibt mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen können. Genetische Veranlagung scheint ein wichtiger Faktor zu sein, da die Störungen oft in Familien auftreten. Neurobiologische Unterschiede im Gehirn, insbesondere in den Bereichen, die für Impulskontrolle und Stressverarbeitung zuständig sind, werden ebenfalls diskutiert.
Psychische Faktoren spielen eine große Rolle. Viele Betroffene berichten, dass ihre Symptome durch Stress, Angst oder emotionale Belastung ausgelöst oder verstärkt werden. Es gibt auch Zusammenhänge mit anderen psychischen Störungen. Menschen mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zeigen oft ähnliche Muster, und auch eine Körperdysmorphe Störung kann mit körperfokussierten repetitiven Verhaltensweisen einhergehen.
Weitere assoziierte Störungen können Generalisierte Angststörung und depressive Episoden sein. Das Verhalten selbst kann zu einem Teufelskreis führen: Die durch das Kratzen oder Ausreißen verursachten Verletzungen führen zu Scham und sozialer Isolation, was wiederum Stress und emotionale Belastung erhöht.
Behandlungsmöglichkeiten und therapeutische Ansätze
Die Verhaltenstherapie hat sich als eine der effektivsten Behandlungsmethoden für Dermatillomanie und Trichotillomanie erwiesen. Ein bewährter Ansatz ist die Habit Reversal Training (HRT), bei der Patienten lernen, ihre Auslöser zu erkennen und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln. Durch gezieltes Training können Betroffene ihre Impulskontrolle verbessern und neue, gesündere Gewohnheiten aufbauen.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft dabei, die Gedankenmuster zu verändern, die das Verhalten aufrechterhalten. Therapeuten arbeiten mit Patienten daran, ihre Gedanken über ihren Körper und ihre Selbstwahrnehmung zu überprüfen und zu korrigieren. Entspannungstechniken und Stressabbau sind ebenfalls wichtige Komponenten der Behandlung.
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, insbesondere wenn begleitende Störungen wie Depressionen oder Angststörungen vorliegen. Ein Facharzt kann individuell abwägen, welche Therapieform oder Kombination am besten geeignet ist.
Selbsthilfestrategien wie das Tragen von Handschuhen, das Fernhalten von Spiegeln oder das Beschäftigen der Hände mit anderen Aktivitäten können unterstützend wirken. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein.
Fazit
Dermatillomanie und Trichotillomanie sind ernstzunehmende psychische Störungen, die professionelle Hilfe erfordern. Mit modernen therapeutischen Methoden, insbesondere der Verhaltenstherapie, besteht eine gute Chance auf Besserung. Der erste Schritt ist, die Störung zu erkennen und professionelle Unterstützung zu suchen. Scham und Stigma sollten kein Hindernis darstellen, denn diese Störungen sind gut behandelbar.
Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt.
Dieser Artikel fasst Wissen allgemein verständlich zusammen und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.