Dissoziative Störungen verstehen
Von Redaktion Psychotherapie verstehen ca. 2 Min.
Dissoziative Störungen gehören zu den komplexeren psychischen Erkrankungen und werden oft missverstanden oder übersehen. Sie zeichnen sich durch eine Unterbrechung oder Störung der normalen Integration von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität, Emotion, Wahrnehmung, Verhalten, Kontrolle und Funktion aus. Menschen mit dissoziativ Störungen erleben häufig ein Gefühl der Abspaltung von sich selbst oder ihrer Umgebung. Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über diese Störungen, ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
Was sind dissoziative Störungen?
Dissoziative Störungen entstehen typischerweise als Reaktion auf extreme Belastungen oder traumatische Erlebnisse. Das Gehirn nutzt Dissoziation als einen Abwehrmechanismus, um sich vor überwältigenden Erfahrungen zu schützen. In leichteren Formen erleben viele Menschen gelegentlich dissoziative Symptome, etwa wenn sie in Gedanken vertieft sind oder eine lange Autofahrt vergessen. Bei einer diagnostizierten Störung jedoch beeinträchtigen diese Symptome die tägliche Funktionsfähigkeit erheblich.
Es gibt verschiedene Formen von dissoziativ Störungen. Die Depersonalisations-/Derealisationsstörung führt dazu, dass sich Betroffene von ihrem Körper oder ihrer Umwelt entfremdet fühlen. Die Dissoziative Identitätsstörung, früher als Multiple Persönlichkeitsstörung bekannt, ist mit dem Vorhandensein von zwei oder mehr unterschiedlichen Persönlichkeitszuständen verbunden. Die Andere Spezifizierte Dissoziative Störung umfasst weitere Präsentationen, die nicht vollständig in die anderen Kategorien passen.
Symptome und Auswirkungen
Die Symptome von dissoziativ Störungen variieren je nach Art und Schweregrad. Häufig berichten Patienten von Gedächtnislücken, die nicht durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärt werden können. Manche erleben Depersonalisation, also das Gefühl, ihren Körper von außen zu beobachten. Derealisationserlebnisse führen dazu, dass die Umwelt unwirklich oder traumähnlich wirkt.
Weitere Symptome können Verwirrtheit über die eigene Identität, das Erleben von inneren Stimmen oder Gedanken, die sich fremd anfühlen, sowie Schlafstörungen sein. Viele Betroffene entwickeln auch begleitende psychische Probleme wie Angststörungen oder depressive Episoden. Es ist wichtig zu verstehen, dass dissoziative Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, etwa bei Generalisierter Angststörung oder traumatischen Belastungsstörungen.
Diagnose und therapeutische Ansätze
Die Diagnose von dissoziativ Störungen erfordert eine gründliche Anamnese und eine sorgfältige Differenzialdiagnose. Ein erfahrener Therapeut oder Psychiater wird andere medizinische und psychiatrische Ursachen ausschließen, bevor eine Diagnose gestellt wird. Manchmal werden Screening-Instrumente wie die Dissociative Experiences Scale eingesetzt.
Die Verhaltenstherapie hat sich als wirksam bei der Behandlung von dissoziativ Störungen erwiesen. Ein wichtiger Ansatz ist die Stabilisierung und Sicherheit des Patienten. Therapeuten arbeiten daran, Trigger zu identifizieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Traumafokussierte Therapien können hilfreich sein, wenn ein Trauma der Störung zugrunde liegt. Ähnlich wie bei der Behandlung von Agoraphobie ist ein schrittweiser, sicherer Ansatz entscheidend.
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein, um begleitende Symptome wie Angst oder Depression zu behandeln. Allerdings gibt es kein Medikament, das spezifisch dissoziative Störungen heilt. Die Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeut ist von grundlegender Bedeutung für den Behandlungserfolg.
Dissoziative Störungen sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die jedoch mit fachgerechter Unterstützung und Behandlung bewältigt werden können. Ein besseres Verständnis dieser Störungen trägt dazu bei, Stigmatisierung abzubauen und betroffenen Menschen zu helfen, die richtige Unterstützung zu erhalten. Wenn Sie Symptome erleben, die auf eine dissoziativ Störung hindeuten, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe zu suchen.
Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt.
Dieser Artikel fasst Wissen allgemein verständlich zusammen und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.