Schlafwandeln und Parasomnien
Von Redaktion Psychotherapie verstehen ca. 3 Min.

Schlafwandeln gehört zu einer Gruppe von Schlafstörungen, die als Parasomnien bezeichnet werden. Diese Störungen zeichnen sich dadurch aus, dass während des Schlafs unwillkürliche Bewegungen, Verhaltensweisen oder Lautäußerungen auftreten. Während viele Menschen Schlafwandeln als harmlos und eher humorvoll wahrnehmen, können Parasomnien für Betroffene und ihre Angehörigen erhebliche Belastungen mit sich bringen. In diesem Artikel erfahren Sie, was Parasomnien sind, welche Formen es gibt und wie man damit umgehen kann.
Was sind Parasomnien?
Parasomnien sind Schlafstörungen, bei denen es während des Schlafes zu abnormalen Bewegungsabläufen, Verhaltensweisen oder emotionalen Reaktionen kommt. Im Gegensatz zu anderen Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder Insomnie beeinträchtigen Parasomnien nicht primär die Schlafqualität oder Schlafdauer, sondern treten während des Schlafes selbst auf.
Die häufigsten Formen von Parasomnien sind Schlafwandeln, Schlafterror (Pavor nocturnus) und REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Diese treten typischerweise in den Tiefschlafphasen oder während des REM-Schlafs auf. Während eines Anfalls können Betroffene ihre Umgebung zwar visuell wahrnehmen, befinden sich aber in einem veränderten Bewusstseinszustand zwischen Schlaf und Wachsein. Nach dem Aufwachen haben sie oft keine oder nur vage Erinnerungen an die Ereignisse.
Formen und Symptome von Parasomnien
Schlafwandeln ist die bekannteste Form. Betroffene stehen nachts auf und führen komplexe Handlungen durch, ohne vollständig wach zu sein. Sie können umhergehen, Gegenstände manipulieren oder sogar das Haus verlassen. Die Augen sind dabei oft offen, der Blick wirkt jedoch starr und leer. Während eines Anfalls reagieren Schlafwandler nur begrenzt auf externe Reize und sind schwer zu wecken.
Schlafterror (Pavor nocturnus) äußert sich durch plötzliche intensive Angst, verbunden mit körperlichen Symptomen wie erhöhter Herzfrequenz, Schwitzen und lautem Schreien. Anders als bei Albträumen erinnern sich Betroffene meist nicht an den Traum selbst. Schlafterror tritt häufig bei Kindern auf, kann aber auch im Erwachsenenalter persistieren.
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung führt dazu, dass Betroffene während des REM-Schlafs, in dem normalerweise eine Muskellähmung auftritt, aktiv werden und ihre Träume ausleben. Dies kann zu gefährlichen Situationen führen, da Betroffene um sich schlagen oder aus dem Bett fallen können.
Weitere Parasomnien sind Schlafsprechenm, nächtliche Angststörungen und schlafbezogene Essstörungen. Bei letzteren essen Menschen während des Schlafs, ohne sich später daran zu erinnern.
Ursachen und Einflussfaktoren
Die Ursachen von Parasomnien sind vielfältig. Eine genetische Veranlagung spielt eine Rolle, da Parasomnien familiär gehäuft auftreten. Stress, Schlafmangel und psychische Belastungen können Anfälle auslösen oder verschärfen. Auch bestimmte Medikamente, Alkoholkonsum und neurologische Erkrankungen können mit Parasomnien assoziiert sein.
Bei manchen Menschen bestehen Verbindungen zu anderen psychischen Störungen. Beispielsweise können dissoziative Störungen verstehen helfen zu erkennen, dass auch Bewusstseinsstörungen während des Schlafs auftreten können. Darüber hinaus können chronische Angststörungen wie Agoraphobie: Ursachen und Überwindung mit erhöhtem nächtlichen Unbehagen einhergehen.
Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom und andere Schlafstörungen können Parasomnien begünstigen. Bei Kindern sind Parasomnien oft entwicklungsbedingt und verschwinden mit zunehmendem Alter spontan.
Diagnostik und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt oder Schlafmediziner. Eine Schlafuntersuchung (Polysomnographie) kann notwendig sein, um andere Schlafstörungen auszuschließen und die genaue Form der Parasomnie zu bestimmen.
Die Behandlung richtet sich nach der Art und Schwere der Parasomnie. In vielen Fällen sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen wirksam. Dazu gehören Stressabbau, Verbesserung der Schlafhygiene und Entspannungstechniken. Bei wiederholtem Schlafwandeln können Sicherheitsmaßnahmen im Schlafzimmer sinnvoll sein, etwa das Verschließen von Türen und Fenstern.
In schweren Fällen können Medikamente wie Benzodiazepine oder trizyklische Antidepressiva verschrieben werden. Wichtig ist eine individuelle Betrachtung, da die Behandlung vom Alter des Patienten, der Häufigkeit der Anfälle und möglichen Begleiterkrankungen abhängt.
Parasomnien sind häufiger, als viele Menschen denken. Mit der richtigen Diagnose und Behandlung lassen sich die Symptome in den meisten Fällen wirksam kontrollieren. Eine offene Kommunikation mit dem behandelnden Arzt über die Häufigkeit, Dauer und Art der Anfälle ist entscheidend für einen Behandlungserfolg.
Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt.
Dieser Artikel fasst Wissen allgemein verständlich zusammen und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.